Die Rechnung geht auf

Sorry, aber es geht schon wieder um das gemietete Beet auf dem Klostergut Burgsittensen. Hatte ich vor Kurzem noch über den schwierigen Boden gejammert, beginnt die Sache nun doch, richtig Spaß zu machen. Die lästigen Wildkräuter haben meine Tochter und ich jetzt einigermaßen im Griff und gleichzeitig kommt die Ernte richtig in Schwung!

Der ursprüngliche Plan, die heimischen Hochbeete für Experimente und „Problem-Gemüse“ wie Blumen- und Rosenkohl zu nutzen, während die Grundversorgung mit Salat, Gurken und Bohnen in Burgsittensen wächst, scheint jetzt nämlich doch aufzugehen. Heute konnte ich sieben Gurken, zwei Zucchini, eine Handvoll Zuckererbsen, Radieschen und ein paar Rettiche nach Hause tragen. Besonders die Gurken (siehe Foto) ließen meine Augen leuchten! Optisch wie aus dem Laden, im Geschmack natürlich viel besser. So was habe ich zu Hause noch nie hingekriegt.

Das nächste Problem steht allerdings schon vor der Tür. Es heißt Zucchini. Dummerweise habe ich nämlich auch zu Hause zwei Pflanzen, von denen schon bald geerntet werden kann. Wenn uns dann vier Pflanzen – zwei im Garten, zwei im Mietbeet – „überrollen“, werden die zirka 20 Rezepte in unserer Sammlung wohl schon bald nicht mehr reichen! Die Nachbarn wird’s freuen. Und ich muss zugeben: Wir kriegen ein Luxusproblem!

Ist das Gemüse?

Während im Garten schon die dritte Charge Radieschen vernascht ist und der Rucola Samen ausbildet, beginnt jetzt auch auf „meinem“ Gutshof die Erntesaison. Unter dem Titel „Endlich Gutsherr“ hatte ich ja schon erzählt, dass ich in diesem Jahr ein Mietbeet in Burgsittensen bewirtschaften darf. Wegen Kälte und Nässe konnte dort erst Ende Mai gepflanzt und gesät werden, also wird auch alles etwas später reif.

Zumindest Radieschen, Rettich und mehrere Salatsorten haben es nun aber geschafft und bereichern unseren Speiseplan in zertifizierter Bioland-Qualität. Natürlich ist auch alles sehr lecker, aber der Preis dafür war in den ersten fünf Wochen doch ziemlich hoch.

Für die Mietbeete hatten die Klostergut-Pächter nämlich ein – sagen wir mal – ziemlich unkultiviertes Stück Land zur Verfügung gestellt. Vor der Pflanzung unseres Gemüses wurde die Fläche mehrfach gegrubbert, also oberflächlich gepflügt. Dadurch wurde der Boden zwar einigermaßen aufgelockert, die Wurzeln von so hartnäckigen Wildkräutern wie Ampfer und Knopfkraut blieben jedoch sehr wachstumsfreudig. Die Folge für mich und alle Beetmieter: Wir müssen nicht nur regelmäßig gießen, sondern mindestens ebenso oft jäten. Kein Vergleich zu den heimischen, seit Jahren gepflegten Hochbeeten, die im Sommer kaum noch Arbeit machen.

Und noch einen bedeutsamen Nachteil hat die Wildkräuter-Übermacht: Auf allen Beeten stellt sich die Frage „Ist das Gemüse oder muss das weg?“. In der Folge sind schon so einige ausgesäte Pflanzen der Hacke fleißiger Hobbygärtner zum Opfer gefallen. Da alle Beete nach einem einheitlichen Plan bestückt wurden, sind Fehler beim Jäten nicht zu übersehen. Da ist dann plötzlich ein Meter Ödland, wo beim Nachbarn saftige Möhrchen wachsen … Naja, aus Fehlern lernt man – oder anders gesagt: shit happens!

Tomaten im Test

Der Streit unter Hobbygärtnern, ob Tomaten im Beet oder im Kübel ertragreicher sind, soll angeblich schon deutlich älter sein als ich – und das will was heißen! In meinem Beitrag „Kehraus“ hatte ich im vergangenen Jahr versprochen, diese Debatte ein- für allemal zu beenden.

Zunächst habe ich für optimale Testbedingungen gesorgt. Die Samen von sieben verschiedenen Tomatensorten kamen alle am selben Tag Anfang März in die Anzuchterde. Ende Mai ging es dann von den Anzuchttöpfchen hinaus ins Tomatenzelt. Je eine Pflanze pro Sorte kam mit der üblichen Erdmischung in Töpfe. Für die jeweils zweite Pflanze hatte ich einen Bodenstreifen freigeräumt. Dabei wurde zunächst die obere Erdschicht abgehoben, dann wurde der Boden darunter mit einer Gartenkralle aufgebrochen und schließlich kam eine Schicht Erde darauf, wie sie sich auch in den Töpfen befindet.

Jetzt, nach einem Monat, sind noch kaum Unterschiede zu entdecken. Auf beiden Seiten des Zeltes wachsen die Pflanzen ausgezeichnet. Sieht man ganz genau hin, sind die Tomaten in den Töpfen schon einen Tick höher, dafür blühen bisher aber nur die im Erdbeet. Hat das schon etwas zu bedeuten oder ist es nur Zufall? Ich fürchte, abgerechnet wird erst am Schluss – wenn die Ernte eingefahren ist.

Endlich Gutsherr

Ja, Ihr lest richtig: Ich bin jetzt Gutsherr! Naja, wenn ich ehrlich bin, darf ich mich bestenfalls als Gutsknecht bezeichnen – aber man muss ja nicht immer kleinlich sein. Ihr versteht nur Bahnhof? Dann werde ich das mal erklären. Unweit von meinem geliebten Garten liegt das Klostergut Burgsittensen. Es besteht seit dem 17. Jahrhundert. 1880 ging es in den Besitz der Klosterkammer Hannover über, die das Gut seither durch Pächter bewirtschaften lässt.

Derzeit „herrscht“ dort ein Team junger Enthusiasten, das die Landwirtschaft nicht nur biologisch betreibt, sondern auch einen Hofladen, eine Burgküche und einen Naturkindergarten eingerichtet hat. Neueste Idee dieser erfolgreichen Jungbauern: Mietbeete, die in diesem Jahr erstmals angeboten wurden. Als ich davon hörte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein 40 Quadratmeter großes Mietbeet als Ergänzung zu den rund 15 Quadratmetern Anbaufläche in meinem Garten wäre doch genau das Richtige, um einen Schritt auf dem Weg zum Selbstversorger weiterzukommen und gleichzeitig nicht auf „Experimentierfläche“ zu verzichten. Ich überredete also meine Tochter, mit einzusteigen, und wurde Beetmieter auf dem Klostergut Burgsittensen.

Wegen der langen Regen- und Kälteperiode in Niedersachsen konnten die Mieter ihre Beete zwar nicht – wie geplant – Anfang Mai übernehmen, sondern erst jetzt, Anfang Juni. Das ist sicher nicht die Schuld der Vermieter, die sich übrigens wegen der Bio-Regeln vorbehalten haben, die Bepflanzung selbst zu übernehmen. Für mich bedeutet das: Experimentiert wird zu Hause, Gemüse gibt’s auf dem Gut!

Aber das ist nicht der Hauptvorteil, den ich als „Gutsherr“ erwarte. Viel mehr freue ich mich auf den Erfahrungsaustausch mit 31 anderen Beetmietern und auf den Wettbewerb, wer die größten Gurken ernten kann. Ich werde Euch über Erfolge, aber auch über Pleiten, Pech und Pannen rund um mein Mietbeet auf dem Laufenden halten.

Ein Sack Kartoffeln

Welcher Hobbygärtner möchte nicht mal einen ganzen Sack Kartoffeln ernten? Mir wäre so ein Erfolg sehr willkommen, aber angesichts der nicht einmal 20 Quadratmeter Anbaufläche, die mir für mein gesamtes Gemüse zur Verfügung stehen, kann ich davon nur träumen. Es sei denn …

Ein neuer Trend ließ mich bei der Beetplanung für dieses Jahr aufhorchen: Angeblich soll es möglich sein, Kartoffeln sogar auf dem Balkon anzubauen – senkrecht statt waagerecht. Das Zauberwort heißt „Kartoffelturm“. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Die kompliziertere besteht aus einem zum Zylinder gebogenen Metallgitter, das innen mit Reet oder einem ähnlichen Material ausgekleidet und dann mit Kartoffeln und Erde gefüllt wird.

Ich entschied mich für die einfachere Variante, für die Kartoffeln im Sack. Als Gebrauchsanweisung diente mir ein Beitrag meiner Blogger-Kollegin „Garten-Fräulein“. Einziges Manko: Beim Befüllen ging der Jutesack immer mehr in die Breite statt in die Höhe. Für Abhilfe sorgten ein paar Steine, die ich rund um den Sack aufschichtete. Die gaben nicht nur Halt, sondern werteten das Projekt auch optisch auf. Jetzt muss ich nur noch bis Mitte Juni alle zwei oder drei Tage Erde auffüllen. Und dann werde ich im Herbst endlich mal einen ganzen Sack Kartoffeln ernten.

Gewissensfrage

Rosenkohl bleibt auch in diesem Jahr eine spannende Herausforderung in meinem Garten. Während sich mein Sohn 2020 bis in den Winter hinein mit den kleinen Vitaminbomben selbst versorgen konnte, gab es bei mir wieder einmal nichts zu ernten. Ich fühlte mich dennoch an meine Selbstverpflichtung gebunden, über die ich ja schon in meinem Beitrag „Stop! Da kommt noch was.“ berichtet habe. Diesmal wurde also nicht gerodet, sondern gewartet.

Nach kurzer Winterpause begannen die Pflanzen tatsächlich weiterzuwachsen. Allerdings hatten sie keine Lust mehr auf Röschen, sondern bildeten an der Spitze und in den Blattachseln Blütendolden. Als die Knospen aufbrachen, leuchteten sie in strahlendem Gelb. Die deutliche Ähnlichkeit mit Raps ist dabei keineswegs zufällig: Beide sind Kreuzblütler und tatsächlich gehört auch der Raps zu den Kohlgewächsen. Im Gegensatz zu den in der Landwirtschaft üblichen Rapssorten ist Rosenkohl jedoch zweijährig, bildet also erst – nach winterlichem Frost – im zweiten Lebensjahr Blüten und Samen.

Zumindest die Hummeln – Bienen sind hier im kalten Norddeutschland bisher kaum unterwegs – freut die unerwartete Blütenpracht. Sie sorgen für die Befruchtung, damit ich vielleicht demnächst sogar eigenes Saatgut bekomme. Und damit sind wir beim Titel dieses Beitrags. Soll ich die Samen tatsächlich ernten? Es handelt sich um die Sorte „Roodnerf“, die mich schon zwei Mal komplett im Stich gelassen hat! Irgendwann möchte ich meinen eigenen Rosenkohl auch mal essen …

Versuch macht kluch

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es im Zentrum eines typischen Bauerngartens immer auch ein Blumenbeet geben muss. Also habe ich schon im letzten Sommer ein kleines Eckchen zwischen den Hochbeeten frei geräumt und ein paar einjährige Blümchen gepflanzt. Die Bienen sollten sich daran laben und das umliegende Gemüse befruchten.

Bis auf ein paar mickrige Nelken haben nun erwartungsgemäß alle Pflanzen das Feld geräumt. So hatte ich freie Auswahl: entweder die bunte Bienenmischung, die keine Arbeit macht, oder ein Feldversuch mit verschiedenen Samen, die mir bei meinen Tauschaktionen im Herbst und Winter so zugelaufen waren.

Natürlich habe ich mich für die spannendere Variante entschieden. Also wurde die ohnehin winzige Fläche in noch winzigere Parzellen aufgeteilt, auf denen nun verschiedene Blumen ausprobieren dürfen, ob es ihnen bei mir gefällt. Ausgesät wurden eine wunderschöne dunkelblaue Akelei, die an der Mauer eines Nachbarn heimisch ist, roter und violetter Mohn, Wunderblumen und Lupinen.

Jetzt heißt es warten. Welche Samen werden bei so einem Freiland-Versuch zu dieser Zeit überhaupt keimen? Und welche schaffen es dann auch noch zu blühen? Und was halten Bienen und Hummeln davon? Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Unkaputtbar

Seit mittlerweile mehr als drei Wochen ist Frühling. Pflanzen und Tiere wissen das, nur das Wetter leider nicht. Hier im nördlichen Niedersachsen liegen die Tageshöchsttemperaturen seit Gründonnerstag bei höchstens zehn Grad und Nachtfröste sind noch immer an der Tagesordnung. Also wirklich kein Wetter zum draußen Spielen! Austoben muss sich das Gärtnerherz nach wie vor am Sommergemüse in den Vorzuchttöpfchen auf der Fensterbank.

Aber geht in den Beeten denn wirklich noch gar nichts? Ende März hoffte ich noch auf einen wärmeren April und säte auf einem kleinen Stück Beet Radieschen und Rucola aus. Keimzeit laut Internet: sieben bis 14 Tage. Allerdings: Keimtemperatur 12 bis 20 Grad. Die wurden bestenfalls gelegentlich mal in den Mittagsstunden erreicht. Statt dessen lag morgens mehrfach eine Schneeschicht auf dem Beet. Meine Hoffnung auf frühe Radieschen schwand dahin.

Doch jetzt geschah das fast Unglaubliche. Genau 14 Tage nach der Aussaat streckten die ersten Radieschen ihre Keimblätter (Foto) dem wolkenverhangenen Himmel entgegen. Der Rucola folgte zwei Tage später. In den kleinen Samenkörnchen steckte also so viel Lebenswille, dass sie sich auch von winterlichem Wetter nicht ausbremsen ließen. Ein Sieg der Natur über sich selbst!

Vielfalt im Tausch

Jetzt, Ende Februar, ist es an der Zeit, die sommerliche Tomatenernte vorzubereiten. Die Samen dürfen in Kamillentee aus ihrer Starre erwachen, in Kokosfasern erste Wurzeln und Blättchen treiben und sich dann in guter Gartenerde entwickeln, bis sie reife Früchte tragen. Das wird wahrscheinlich klappen, aber wie schmecken die Tomaten dann? Welche Sorten sind am leckersten?

Um das herauszufinden, sind in unserem Garten in diesem Jahr sieben verschiedene Sorten am Start. Nur eine davon kennen wir schon. Die hatte uns im vergangenen Jahr so gut gefallen, dass wir einige Samen geerntet und aufbewahrt haben. Nun darf sie antreten gegen sechs Neulinge – von der Peruanischen Wildtomate bis zur berühmten San Marzano.

Oha, gleich sechs verschiedene neue Sorten. Da muss der Gerd ja richtig investiert haben … Nein, hat er nicht! Er war einfach nur clever. In den sozialen Netzwerken gibt es nämlich ganz viele Gruppen, in denen es möglich ist, samenfestes Saatgut mit anderen Gärtnerinnen und Gärtnern zu tauschen. Und das betrifft nicht nur Tomaten, sondern auch alle anderen Gemüsesorten und Blumen.

„Tauschen? Würde ich ja gerne, aber ich habe nichts anzubieten“, denken jetzt bestimmt viele von Euch. Mir ging es anfangs auch so, aber dann bin ich im Herbst einfach nach draußen gegangen, habe im Wald Samen von Silberblatt und Ginster gesammelt, bei den Nachbarn Akelei „abgestaubt“ und im eigenen Garten Hibiskus und Clematis „gemolken“. Dafür gab’s dann Steckrüben, Kohlrabi und eben auch Tomaten. So einfach ist das!

Chillen neben dem Chili

Die Gartenbeete sind noch von Schnee bedeckt und selbst die Regenwürmer haben ihre Arbeit eingestellt, doch Chili und Paprika bereiten sich schon aktiv auf die Gartensaison vor. Während ich als ihr „Geburtshelfer“ im Wohnzimmer noch meist die Füße hochlege und schlaue Gartenbücher konsumiere, genießen sie auf der Fensterbank über der Heizung ihr Dasein und sind fleißig damit beschäftigt, Wurzeln zu bilden.

Schon Anfang Januar durften 20 Saatkörner aus ihren Tütchen in nährstoffarmes Kokossubstrat umziehen. Sie hatten es feucht und angenehm warm in ihren winzigen überdachten Anzuchttöpfchen. Kaum hatten die ersten ihre Köpfchen aus der Erde gesteckt, wurde auch schon eine Pflanzenlampe in Betrieb genommen, die ihnen nun mindestens zwölf Stunden am Tag zeigt, in welche Richtung sie wachsen müssen.

Den Pflänzchen scheint es zu gefallen. Alle 20 entwickeln sich prächtig, bilden jetzt nach einem Monat das zweite Blattpaar. Ihr „Chef“ kann also weiterhin chillen, muss nur alle zwei Tage ein bisschen Wasser geben und kann sich auf fünf Sorten Chili und Paprika im Spätsommer freuen.