Töpfchen oder Söckchen?

Wenn der schöne grüne Lauch aus den Spitzen der im Frühjahr gesetzten Steckzwiebeln braun und trocken geworden ist, wird es Zeit für die Ernte. Was mag in diesem Jahr wohl aus meinen frisch gekauften „Stuttgarter Riesen“ geworden sein?

Nun, Riesen sind es wieder einmal nicht. Sie haben ihren Job gemacht, haben unerwünschte Gäste von meinen Kohlrabi-Pflanzen ferngehalten und neue Zwiebeln gebildet. Und nun? Frei nach dem Märchen „Aschenputtel“ habe ich mich entschlossen, die großen nach einwöchiger Trocknung auf der sonnigen Fensterbank für die Küche freizugeben. Das sind dann die fürs Töpfchen.

Alle Zwiebeln, die die von mir selbst aufgestellte Norm nicht erfüllen, bekommen eine zweite Chance. Sie wandern nicht ins Kröpfchen, sondern ins Söckchen. Wenn sie richtig trocken sind, kommen sie in eine saubere schwarze Socke und dann in den kühlen, dunklen Vorratsschrank. Im nächsten Frühjahr dürfen sie wieder ans Licht, werden ins Beet gesteckt, um den Kohlrabi zu beschützen, und wachsen vielleicht tatsächlich zu „Stuttgarter Riesen“ heran.

„Unkraut“-Ernte

Ich liebe im Prinzip all das, was auch Bienen lieben. Schließlich sind sie meine wichtigsten Mitarbeiter, wenn ich Gemüse ernten möchte. Vor zwei Jahren fiel mir an einem Waldrand zum ersten Mal eine Pflanze auf, die im Schatten stand und mit dekorativen silbernen „Talern“ auf sich aufmerksam machte. Die hatte ich schon in Herbststräußen aus dem Blumenladen gesehen und fand sie schick.

Die Recherche zu Hause brachte die Erkenntnis, das ich das „Silberblatt“ (Lunaria annua), auch „Judaspfennig“ oder „Mondviole“ genannt, entdeckt hatte. Die Pflanze muss im Winter ausgesät werden, wächst dann im nächsten Jahr heran, blüht zur Freude der Insekten im zeitigen Frühjahr ihres zweiten Lebensjahres und bildet im Spätsommer Samen, die den Fortbestand und natürlich auch die Vermehrung sichern. Dabei ist sie so effektiv, dass sie bei vielen Gärtnern als „Unkraut“ gilt.

Ich habe mich entschlossen, mich darauf einzulassen. In meinem Schattenbeet hinter der Hecke darf das „Silberblatt“ wachsen, solange es nicht überhand nimmt. Nachdem meine drei Missionarspflanzen ihren Lebenslauf nahezu beendet haben, durften sie die Hälfte ihrer Samen in ihrem Umfeld verteilen. Die andere Hälfte erntete ich für andere Bienenfreunde und um sie möglicherweise so zeitversetzt auszusäen, dass ich mich künftig jedes Jahr an ihren Blüten erfreuen kann. Mal sehen, ob’s klappt.

Hassliebe

Innerhalb kürzester Zeit machten die Raupen des Kohlweißlings ein Blatt meines Kohlrabis zum Gerippe.

Wenn im zeitigen Frühjahr die ersten Schmetterlinge in der Natur auftauchen, werde ich immer richtig euphorisch. Der Winter scheint überstanden, die Luft wird milder, es riecht förmlich nach Aufbruch. Unter den noch sauberen Fingernägeln beginnt es regelrecht zu kribbeln, denn jetzt können bald die ersten Samenkörner und einige der vorgezogenen Pflanzen ins richtige Leben entlassen werden.

Als erste Frühlingsboten tauchen in unseren Breiten ja immer die prächtig gelben Zitronenfalter und die eher schlichten Kohlweißlinge auf. Seit ich selbst Gemüse anpflanze, mischt sich in meine Freude über diese Frühlingsboten aber auch stets ein mulmiges Gefühl. Während ich für die Zitronenfalter bedingungslose Liebe empfinde – schließlich gibt es in meinem Garten keine Zitronen, die sie falten könnten -, wächst im Laufe des Jahres in mir so etwas wie Hass auf Kohlweißlinge. Die machen ihrem Namen nämlich alle Ehre und lieben meine Kohlpflanzen mindestens genauso wie ich. Ein gewisser Interessenkonflikt ist also abzusehen.

Die Liebe dieser mit einer Flügelspannweite von bis zu sechs Zentimeter ausgestatteten Insekten zu meinem Kohl ist so groß, dass die Weibchen zwei bis drei Mal im Jahr jeweils bis zu 100 Eier auf den Unterseiten der Blätter ablegen. Daraus schlüpfen dann nach rund zwei Wochen grün-schwarze Raupen und machen sich zunächst in großen Gruppen, später zunehmend als Einzeltäter daran, meine schönen Pflanzen restlos zu entlauben.

Eine waghalsige Konstruktion soll meinen Blumenkohl diesmal vor dem Kohlweißling schützen.

Da ich in meinem Garten grundsätzlich keine Chemie einsetze, bleiben mir nur zwei Möglichkeiten zur Gegenwehr. Ich kann meine Kohlpflanzen von vornherein durch Netze vor ungebetenem Besuch schützen oder die Unmengen von Raupen mit der Hand absammeln. Beides macht viel Arbeit, das Absammeln bringt zudem noch hartnäckige grüne Verfärbungen an den Fingern ein. Ob das wohl was mit dem „Grünen Daumen“ zu tun hat? Wohl eher nicht.

Nach leidvollen Erfahrungen in den vergangenen Jahren habe ich diesmal Blumen- und Rosenkohl mit Fliegengitter-Meterware über waghalsigen Gestellen geschützt. Was ich allerdings nicht bedacht hatte: Erstmals wächst bei mir auch eine späte Sorte Kohlrabi. Und die hat’s prompt erwischt, denn speziell die zweite Generation des Kohlweißlings, die zwischen Juli und September zur Welt kommt, ist besonders gefräßig. Nun habe ich also grüne Finger, bekomme wahrscheinlich deutlich weniger Kohlrabi, habe aber mal wieder was gelernt. Immerhin.

Man muss auch mal verlieren können

Die Linda-Ernte auf einem Quadratmeter – oder besser von 10 Pflanzkartoffeln. Wer das 50-Cent-Stück (zum Größenvergleich dazu gelegt) findet, darf es sich ausschneiden und behalten!

Früher war alles besser? Nee, ganz bestimmt nicht! Früher, also bevor es Discounter gab, wäre meine Familie jetzt dem Tod geweiht gewesen. Während der preußische Kaiser Friedrich II. (der Große) im 18. Jahrhundert mit seinen „Kartoffelbefehlen“ sein ganzes Volk rettete, hätte ich schlicht versagt. Er war eben Kaiser, ich bin nur Rentner.

Aber von Anfang an: Aus Spaß an der Freude habe ich immer ein zwei Quadratmeter großes Hochbeet – natürlich jedes Jahr ein anderes – für Kartoffeln reserviert. Das Pflanzgut stammte bisher vom Landhandel oder sogar vom Discounter. Alles gedieh und war gar köstlich. Mehr als zehn Pfund landeten im vergangenen Jahr auf unseren Tellern. Diesmal wollte ich Erntemenge und Geschmack noch toppen.

Ich bestellte also Pflanzkartoffeln der berühmten Sorte „Linda“ bei einem Bio-zertifizierten Saatguthandel und wartete geduldig auf die aufgrund hoher Nachfrage verzögerte Lieferung. Als die Ware dann endlich ankam, hätte ich sie spontan lieber in den Kochtopf getan als ins Beet. Von Keimen oder zumindest Augen keine Spur! Ich pflanzte trotzdem.

Mein ebenfalls gärtnender Sohn weckte ein paar Wochen später erste Zweifel. „Na, so ein bisschen Krautfäule hast du da aber auch schon drin“, konstatierte er. In der Tat: Die eigentlich kräftigen Pflanzen wurden überraschend schnell braun und starben ab. Zeit zum Ernten also – was sonst.

„Ernten“ – was für ein großes Wort für das Einsammeln der Handvoll Miniatur-Lindas, die da zu finden war. Aber was soll’s? Sehen wir es mal positiv: Zwei Quadratmeter Platz zum Nachsäen von Radieschen und Salat. Möge die Familie es überleben!

Ein echter Festtag

Seit ein paar Jahren haben wir eine Tradition: Die ersten reifen Bohnen gibt’s immer mit Matjesfilets, Kartoffeln und fettem Speck. Mit eigenen Kartoffeln hat es diesmal leider nicht geklappt, aber die Bohnen waren wieder mal ein Genuss! Ich hatte mich im Frühjahr ein weiteres Mal für die samenfeste Sorte „Processor“ entschieden, eine Buschbohne, die auch für Anfänger problemlos anzupflanzen ist und dennoch in der Konservenindustrie sowie in der Gastronomie großen Anklang findet. Ich säe sie immer in sogenannten Horsten, werfe also je vier bis sechs Samenkörner in ein Loch. Der Abstand der Löcher sollte mindestens 30 cm betragen, wenn man die Löcher bei mehreren Reihen auf Lücke platziert, kann man aber auch ein bisschen schummeln.

Unser Rezept für das Festessen:

Zutaten: Frische Bohnen aus dem eigenen Garten, neue Kartoffeln, fetter Speck, Matjesfilets, 1 Zwiebel, Salz, eine Prise Zucker, ein Klacks Butter.

Zubereitung: Speck würfeln, Zwiebel in (halbe) Ringe schneiden. Bohnen mit Salz und Zucker 15 Minuten kochen lassen, Kartoffeln garen, gleichzeitig Speck ausbraten, bis die Würfel kross werden (unter Aufsicht, sonst schlägt der Rauchmelder Alarm!), Bohnen mit der Butter schwenken. Auffüllen, das Fett aus dem Speck und die Speckwürfel über Bohnen und Kartoffeln verteilen und die Matjesfilets mit Zwiebelringen garnieren. Ergänzung für Feinschmecker: etwas Petersilie über Bohnen und Kartoffeln streuen. Guten Appetit!

Hilfe, da blüht was!

Bei einer Routinekontrolle habe ich sie ganz zufällig entdeckt: eine Blüte zwischen meinen Zwiebeln im Hochbeet! Was ist das denn? Irgendein Wildkraut, das ich beim Jäten übersehen habe? Nein, genaueres Hinsehen ergab, dass das kleine weiße Etwas direkt am Kraut meiner „Stuttgarter Riesen“ prangt.

Nachdem das geklärt war, setzte das gärtnerische Denken ein. Okay, fein, lasse ich diese eine Zwiebel ausblühen und gewinne irgendwann Samen, mit denen ich dann im nächsten Jahr selbst Steckzwiebeln ziehen kann. Aber wird das wirklich klappen? Fragen wir doch mal bei Google nach.

Die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten. Im Blog „Ich bin dann mal im Garten“ wurde ich darüber aufgeklärt, dass meine Blüte erstens recht mickrig ist – normalerweise müsste sie aussehen wie ein Pompon – und zweitens ohne die Blüte einer weiteren Pflanze keine Chance auf Nachwuchs hat. Da meine Nachbarn keine Zwiebeln anbauen und in meinem Beet keine zweite Blüte in Sicht ist, werde ich notgedrungen dem Rat meines bloggenden Gärtner-Kollegen Jürgen Müller-Lütken folgen, die blühende Zwiebel entnehmen und meiner Frau zur Verwertung in der Küche überlassen.

Deko für den Vorgarten

Während der Gemüsegarten dezent hinter dem Haus versteckt ist, bildet der Vorgarten ja bekanntlich so etwas wie eine Visitenkarte. Dort gibt es schon eine kleine Bienenweide, einige Deko-Gegenstände wie eine alte Milchkanne und einen rostigen Gartenstuhl sowie ein Edelrosenbeet inklusive Lavendel. Genau darin habe ich jetzt eine eingegangene Buche angesiedelt, die ich bei einem Hundespaziergang entdeckt und kurzerhand abgesägt habe.

Das arme Stämmchen hat sein wohl schon relativ langes Leben ausgehaucht, weil ihm direkt am Wegesrand von einer große Maschine immer wieder die Äste gekappt worden waren. Dadurch war es zwar nicht mehr lebensfähig, aber optimal vorbereitet für eine neue Nutzung als Träger verschiedenster Dekorationen. Weihnachtsbaum-Kugeln bieten sich dafür ebenso an wie die unvermeidlichen Ostereier, aber jetzt im Sommer müssen erst mal ein paar künstliche Tierchen und ein Gartenzwerg aus dem Bestand reichen. Ein Hingucker ist das ehemalige Bäumchen schon jetzt und in unserem Garten herzlich willkommen. Möge sein zweites Leben recht lange andauern!

Jeder Zentimeter ist wertvoll

Zucchini gab’s ja schon reichlich in diesem Sommer. Die logische Folge: Die Pflanzen wachsen von der Wurzel aus nach und nach immer weiter in Richtung Süden. Dabei hatte ich bei der Sortenwahl (Zuboda) extra auf den Hinweis „nicht rankend“ geachtet. Hm, ein Missverständnis?

Wie auch immer. Während die Zucchini-Pflanzen so langsam meine Zwiebeln überwachsen, wird „hinten“ Platz frei. Also habe ich die ältesten Blätter weggeschnitten, den Boden ein bisschen mit frischer Hochbeet-Erde aufgemischt und mal wieder Radieschen gepflanzt. Die werden in ca. einem Monat erntereif sein.

Ach so, ja. Das Weiße, das oben auf dem Foto zu sehen ist, sind Hornspäne. Mit denen versuche ich, den Zucchini noch ein bisschen Power zu geben.

Blumenkohl hinter Gittern

Ich liebe Blumenkohl! Deshalb kann ich es auch nicht lassen, ihn immer wieder zu pflanzen. Leider haben sich in den vergangenen Jahren ausschließlich Insekten über meine Bemühungen gefreut. Ich habe als Schuldigen den Kohlweißling im Verdacht. Er legt seine Eier an den Pflanzen ab und seine Nachkommen – sorry – kacken dann zwischen die Röschen des Kohlkopfes. Der wird damit zumindest optisch ungenießbar.

In diesem Jahr versuche ich natürlich auch wieder, mein Lieblingsgemüse anzubauen. Ganz bescheiden habe ich mich für die Sorte „Erfurter Zwerg“ (Early Snowball) entschieden, habe die Samen auf der Fensterbank vorgezogen und dann ins Hochbeet umgesiedelt. Dort habe ich die Pflänzchen erst mal mit einem Fliegengitter abgedeckt, um ungebetene Gäste fernzuhalten.

Aktuell ergab sich nun aber das Problem, dass mein Blumenkohl mit dem Platz unter dem Schutzflies nicht mehr auskommt. Was tun? Als Upcycling-Fan entschied ich mich für ein paar hölzerne Ikea-Leisten vom Sperrmüll, zwei Metallstangen eines eingestürzten Pavillon-Zeltes, einige Steine, Fliegengitter-Meterware und Wäscheklammern. Das Ergebnis meiner laienhaften Bastelei seht Ihr auf dem Foto. Ob die Konstruktion dem nächsten Gewittersturm standhält und bringt, was ich mir davon verspreche, werde ich erst später wissen.

Endlich Abwechslung

Jetzt kommt nach Zucchini mal was Neues auf den Tisch: Gurken. Sehen zwar so ähnlich aus, schmecken aber doch irgendwie völlig anders. Die beiden Pflanzen in meinem Hochbeet habe ich aus Samen gezogen, die ich im April in einer Facebook-Gruppe gegen Blumenkohl-Saatgut getauscht hatte.

Nach einem ersten Geschmackstest freue ich mich jetzt schon auf richtigen Gurkensalat. Nachdem ich heute die erste Gurke (die waagerechte in der Bildmitte) geerntet habe, warten jetzt allein an der ersten Pflanze noch vier Früchte auf eine kulinarische Verfeinerung. Und ich bin überzeugt: Das ist erst der Anfang!